Blick über Dortmund hinaus

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Für die Jahre 2007-2012 wurden uns durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe Daten über die regionale Verteilung der Menschen mit Behinderung im gesamten Verbandsgebiet zur Verfügung gestellt. Hier ein Beispiel für das Jahr 2012, dem zu entnehmen ist, wie sich die Betroffenen (hier als Gesamt erfasst unter dem jeweiligen sog. gewöhnlichen Aufenthaltsort des Hilfeempfängers) auf die Kreise und kreisfreien Städte verteilten. In einer Rubrik am Ende wurden all die zusammengefasst, die nicht einmal mehr im Bereich des LWL einen Platz fanden.

Vergleichbare Zahlen für die Jahren danach haben wir nicht mehr erhalten. Es sind also LWL-weit nur Aussagen über die Zeit 2007-2012 möglich. Was wir nicht erwartet hätten, war dass sich im Mittel die Werte “Verhältnis von im Kreis oder kreisfreier Stadt”/ außerhalb des Kreises oder kreisfreier Stadt untergebracht” zwischen 2007 und 2012 noch verschlechter, also zu ungunsten von im eigenen Kreis/eigener kreisfreier Stadt untergebracht verändert hatten.

Kreis / kreisfreie Stadt

2005

 

2012

 

Leistungs-
empfänger
Gesamt

im Ort /
Kreis

auswärts

%
auswärts

 

Leistungs-
empfänger
Gesamt

im Ort /
Kreis

auswärts

%
auswärts

Bielefeld

1077

767

310

28,78%

 

1018

694

324

31,83%

Bochum

800

407

393

49,13%

 

860

422

438

50,93%

Borken

976

711

265

27,15%

 

1074

766

308

28,68%

Bottrop

262

126

136

51,91%

 

283

137

146

51,59%

Coesfeld

618

355

263

42,56%

 

641

354

287

44,77%

Dortmund

1309

547

762

58,21%

 

1350

641

709

52,52%

Ennepe-Ruhr-Kreis

802

420

382

47,63%

 

784

398

386

49,23%

Gelsenkirchen

785

456

329

41,91%

 

790

471

319

40,38%

Gütersloh

642

391

251

39,10%

 

668

396

272

40,72%

Hagen

520

219

301

57,88%

 

528

214

314

59,47%

Hamm

416

165

251

60,34%

 

449

183

266

59,24%

Herford

489

209

280

57,26%

 

568

225

343

60,39%

Herne

394

148

246

62,44%

 

392

167

225

57,40%

Hochsauerland-Kreis

752

565

187

24,87%

 

764

549

215

28,14%

Höxter

417

254

163

39,09%

 

395

237

158

40,00%

Lippe

872

599

273

31,31%

 

918

593

325

35,40%

Märkischer Kreis

785

424

361

45,99%

 

910

482

428

47,03%

Minden-Lübbecke

988

764

224

22,67%

 

964

748

216

22,41%

Münster

799

498

301

37,67%

 

814

473

341

41,89%

Olpe

289

161

128

44,29%

 

317

185

132

41,64%

Paderborn

541

267

274

50,65%

 

652

342

310

47,55%

Recklinghausen

1610

715

895

55,59%

 

1727

792

935

54,14%

Siegen-Wittgenstein

613

404

209

34,09%

 

650

415

235

36,15%

Soest

822

578

244

29,68%

 

792

505

287

36,24%

Steinfurt

991

654

337

34,01%

 

1062

695

367

34,56%

Unna

822

228

594

72,26%

 

910

233

677

74,40%

Warendorf

708

404

304

42,94%

 

759

418

341

44,93%

         

 

       
     

Mittelwert

44,05%

 

   

Mittelwert

44,77%

Gemessen daran, dass der LWL 2003 zuständig geworden ist für das stationäre und ambulante Wohnen behinderter Menschen u.a. mit dem Auftrag, die stationäre Behindertenhilfe zu regionalisieren, d.h. dafür zu sorgen, dass die Menschen an ihrem ursprünglichen Wohnort Hilfsangebote erhielten, kann man diese Entwicklung nur ein skandalöses Versagen nennen. Öffentliche Bekenntnisse zu seinem eigentlichen Auftrag hat der LWL zuhauf abgegeben, sie allerdings nicht in die Praxis umgesetzt. Wir wären sehr gespannt darauf zu erfahren, wie sich die Dinge seither entwickelt haben.

Daher haben wir uns im letzten Jahr mehrfach auch an die Landesregierung gewandt, hier insbesondere an die Fachkommission Eingliederungshilfe, haben aber nie eine Antwort erhalten. Nachgefragt haben wir auch bei den Fraktionen der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Ganz offensichtlich hat auch die Kontrolle durch die politischen Instanzen des LWL versagt. Entweder haben wir keine oder nur nichtssagende Antworten erhalten. Einzig die Fraktion der Grünen will bei der Verwaltung nachhaken. Interessant wäre auch zu erfahren, ob im Bereich des Landschaftsverbandes Rheinland die Entwicklung genauso verlaufen ist oder mehr im Sinne einer Regionalisierung.