Alloheim Dortmund- Körne: Fragwürdiger Umgang mit Psychopharmaka

Im Bericht über die Studie der Uni Witten-Herdecke zur skandalösen Vergabepraxis Dortmunder und Wittener Pflegeheime im Zusammenhang mit Psychopharmaka haben wir schon erwähnt, dass das Alloheim Dortmund-Körne eine der Einrichtungen gewesen ist, in denen diese Untersuchungergebnisse zu Tage gefördert wurden.

Wenige Jahre später wird deutlich, dass in diesem Heim der Umgang mit Psychopharmaka nach wie vor fragwürdig ist. Wie auch der Dortmunder Heimaufsicht zur weiteren Aufklärung vorgetragen worden ist,

  • sind 2014 für eine Bewohnerin des Alloheims Dortmund-Körne 6 Rezepte ausgestellt worden für das Medikament  Neuroleptika Pipamperon zu jeweils 300ml. [Pipamperon soll sich zwar durch seine verhältnismäßige Verträglichkeit auszeichnen, bei höheren Dosierungen kann es aber auch zu Bewegungsstörungen kommen. Sehr selten kommt als Nebenwirkung das maligne neuroleptische Syndrom vor, das lebensbedrohlich sein kann. Appetitlosigkeit, Übelkeit bis zum Erbrechen, beschleunigter Puls, Herzrhythmusstörung, Depression, Müdigkeit, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Krampfanfälle sind als Nebenwirkungen bekannt. Quelle Wickipedia.]
  • Als zu verabreichende Tages-Höchstdosis sind 2ml verordnet worden. Wäre der Heimbewohnerin das Psychopharmakon täglich verabreicht worden, wären im Verlaufe des Jahres 730ml nötig gewesen. Warum dann 6 Flaschen a 300ml? 
  • Wie uns mitgeteilt wurde, soll den Angehörigen der Heimbewohnerin gesagt worden sein, nicht nur ihre Angehörige im Heim habe aus den für sie vorgesehenen Psychopharmaka-Flaschen ihre Dosis erhalten, auch anderen Heimbewohnern sei daraus dieses Psychopharmakon verabreicht worden.

Wir haben bei der Dortmunder Sozialdezernentin nachgefragt, ob es sich dabei lediglich um eine Schutzbehauptung seitens der Enrichtung handele, um eine Überdosierung zu vertuschen. Wir wollten weiter wissen, welche anderen Heimbewohner denn aus der gleichen Flasche das Psychopharmakon erhalten haben und auf wessen Verordnung hin. Entscheidend für eine Bewertung des Vorgangs sei zudem, ob für diese Heimbewohner im fraglichen Zeitraum keine eigenen entsprechenden Rezepte eingelöst worden sind.

In Ihrem Antwortschreiben vom 2.Juli weist die Sozialdezernentin darauf hin, dass die Heimaufsicht ihre Wächterfunktion sehr ernst nehme, zu konkreten Fragen hüllt sie sich allerdings in Schweigen - aus wie sie schreibt “datenschutzrechtlichen Gründen”. Fragt sich mal wieder, wer denn hier geschützt wird: der Heimträger oder die Heimbewohner? Auch bei der Redakteurin der Ruhrnachrichten, die über den Vorfall berichtet hatte, hinterließen die städtischen Auskünfte ein ungutes Gefühl, wie sie in einem Kommentar schrieb. Einerseits sei laut Stadt alles im Alloheim in Ordnung gewesen, andererseits habe die Heimaufsicht verschiedene Maßnahmen ergriffen. Vielleicht hat die Heimaufsicht ja auch nur in die Dokumentationen reingeschaut und festgestellt, dass alles seine “Ordnung” hat. Das Heimpersonal wird ja auch kaum dort reinschreiben, dass Psychopharmaka nach Lust und Laune verabreicht werden.

Abschließend teilte die Sozialdezernentin in ihrem Schreiben vom 2.Juli mit, dass sie den Vorgang zum Anlass nehmen werde, die Diskussion rund um die Gesamtthematik “Umgang mit Psychopharmaka in Dortmunder Pflegeeinrichtungen” wieder aufzunehmen. Wir haben nachgefragt, was denn konkret unternommen werden soll. Eine Antwort steht noch aus.

In einem Flugblatt, das wir vor dem Heim in Dortmund-Körne verteilt haben, rieten wir Angehörigen und Betreuern, insbesondere bei Psychopharmaka genau darauf zu achten, in welchen Mengen verordnet und tatsächlich auch verabreicht würde. Eine Nachfrage bei der Krankenkasse über die dort abgerechneten Medikamente kann da sehr aufschlussreich sein.

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